Von Bienchen und Blümchen

Blümchen

Der Kin­der­gar­ten Ham­pel­mann hatte zum Eltern­abend ein­ge­la­den. Thema:

Sexu­al­er­zie­hung im Kindergarten

Muss das denn sein? Und vor allem: Schon in dem Alter? Mein Kind ist doch noch so klein …„
Diese Frage drängte sich mir auf, als ich die Ein­la­dung zum Eltern­abend bekam. Da war es dann recht inter­es­sant zu erfah­ren, dass Kin­der im Alter von drei bis fünf Jah­ren ihre erste hor­mo­nelle Ent­wick­lungs­phase durch­lau­fen – und damit Fra­gen der Kin­der vor­pro­gram­miert sind. Das Kind erlebt auf ein­mal sei­nen Kör­per anders, beob­ach­tet Unter­schiede zu ande­ren Kin­dern und auch Mama oder Papa.

Die erfah­re­nen Erzie­he­rIn­nen im Kin­der­gar­ten Ham­pel­mann sind auf diese Fra­gen vor­be­rei­tet. So erzähl­ten die Lei­te­rin­nen unse­rer drei Betreu­ungs­grup­pen, wie Kin­der mit dem Thema Sexua­li­tät umge­hen, wel­che Fra­gen kom­men und vor allem, wie die Fra­gen beant­wor­tet werden.

Um es gleich vor­weg zu neh­men: Die Geschichte mit den Bien­chen und den Blüm­chen haben wir schon unse­ren Eltern nicht so ganz abge­kauft. Des­halb wol­len die Erzie­he­rin­nen den Kin­dern lie­ber gleich rich­tige und ver­ständ­li­che Ant­wor­ten geben. Zur Unter­stüt­zung wur­den Kin­der­bü­cher ange­schafft, die das Thema Sexua­li­tät kind­ge­recht umset­zen. Und da Kin­der eher kon­ser­va­tive Maß­stäbe set­zen („Mama und Papa haben sich lieb und dann kommt ein Baby“), ist der Umgang mit dem Thema für die Erzie­he­rin­nen auch sel­ten kompliziert.

Kom­pli­ziert wird es, wenn Ihr Kind zum Bei­spiel beim Besuch im Super­markt ganz unver­mit­telt sein neues Wis­sen los­wer­den will: Was für einen Vier­jäh­ri­gen völ­lig nor­mal ist, ist dem einen oder ande­ren umste­hen­den Erwach­se­nen ein­fach pein­lich. Die Erzie­he­rin­nen raten jedoch dazu, nicht auf die Geschichte mit den Bien­chen und den Blüm­chen zurück zu fal­len. Denn wenn Eltern und Kin­der­gar­ten dem Kind abwei­chende Infor­ma­tio­nen ver­mit­teln wür­den, stünde das Kind schnell vor einem Dilemma und würde damit auch Werte in Frage stel­len, die der Kin­der­gar­ten ver­mit­teln möchte. Der Rat der Erzie­he­rin­nen: „Am bes­ten bei der Wahr­heit blei­ben.“ Man könne dem Kind auch anbie­ten, das Gespräch an einem ande­ren Ort fort­zu­füh­ren. Kin­der wür­den das akzeptieren.

Wich­tig für die inter­es­sier­ten Eltern war auch der Hin­weis, dass es kei­nen „Start­ter­min“ für die Sexu­al­er­zie­hung gäbe. Die Erzie­he­rin­nen wür­den viel­mehr auf die Fra­gen der Kin­der war­ten. Die wür­den kom­men. Ganz bestimmt.